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Hekate: Vom Manne, den China faszinierte


Eine kleine Geschichte meiner Freundin Hekate, die sie im Web gepostet hat und die sie mir netterweise zur Verfügung gestellt hat, damit ich ihr hier eine etwas dauerhaftere Heimat geben kann.
Natürlich geht es nur scheinbar um China. Tatsächlich ist es ein wunderschöner Text über Toleranz, Sehnsucht und die Möglichkeiten sie zu leben. Sie hat gewisse Parallelen zu meinem "Der weiße Flamingo"



Es war einmal ein Mann, der schon von Kind auf
gar zu gern einmal nach China gefahren wäre
- aber das, sagte man ihm, gehe nun mal nicht:
man müsse brav in Lande bleiben und sich redlich nähren.

Das tat er denn auch und kam so zu Brot und Ehren;
doch eines Tages entdeckte er etwas Aufregendes:
man konnte auch als Deutscher - wenn man sich Mühe gab -
Chinesisch lesen, schreiben und sprechen lernen!

Das war zwar nicht leicht - aber als er es geschafft hatte,
eröffnete sich ihm einen ganze neue Welt:
er brauchte nicht mehr nur naiv von China zu träumen
- sondern konnte jetzt wirklich gleichsam von innen her
in diese fremde Kultur vordringen - vielleicht sogar versuchen,
vieles nicht nur immer mit den Augen eines Deutschen zu sehen,
sondern auch einmal mit den ganz anderen Augen eines Chinesen.

Sowohl auf all die Zeit und Energie, die er darauf verwendet hatte,
wie auf die neue Sicht der Dinge, die er dadurch gewann,
hätte er mit vollem Recht stolz sein können.

Aber er lebte leider unter recht seltsamen Leuten:
Sehr viele meinten, wenn jemand Chinesisch lernen wolle,
verrate das bloß, dass er wohl nicht richtig Deutsch könne
- andere, die alles durcheinander brachten, sogar,
dass er eigentlich Kommunist sei und das nur selbst nicht wisse.

Andererseits gab es welche, die so hoch von China dachten,
dass sie jeden, der nur dessen Sprache lernte,
sich aber nicht auch eine asiatische Lidfalte machen ließ
und die dortige Staatsangehörigkeit beantragte,
verächtlich einen bloßen "Papp-Chinesen" nannten.
Und sogar Wohlmeinende fragten ihn oft: Hätt'st Du Dir denn
nicht ein weniger exotisches Hobby aussuchen können?

So erreichten sie alle zusammen, dass es ihm oft fast peinlich war,
mehr von China zu verstehen als andere.