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Wie sage ich es meiner Frau?
Eine Anleitung zur Liebe

von Jane Ellen Fairfax. Übersetzt von Laura.

»Wie kann ich den Mut aufbringen, meiner Frau von meinem Crossdressing zu erzählen? Wird sie mich zurückweisen oder sogar verlassen?«
Diese Fragen plagen viele Crossdresser. Im Gespräch mit ihren Frauen wenden sie unterschiedliche Methoden an. Wie ein Crossdresser seine Frau informiert, beeinflusst direkt ihre Reaktion auf die »innere Frau«. Auf der Grundlage beobachteter Reaktionsmuster der Frauen lassen sich einige Vorschläge machen. Natürlich kann kein Ansatz garantieren, für jedes mögliche Paar zu funktionieren. Meine Vorschläge lassen sich als eine Anleitung zur Liebe lesen.

Sollte ein Crossdresser seiner Frau von seinem Crossdressing erzählen? Beinahe immer! Seine weibliche Seite zu offenbaren zeigt einen Glauben in den heiligen Bund, der die Basis der Ehe ist. Die Entscheidung, seine Weiblichkeit zu verstecken, führt dazu, entweder die »innere Frau« zu unterdrücken oder viel Zeit und Energie darauf zu verwenden, die geliebten Menschen zu täuschen. Das weibliche Selbst zu unterdrücken funktioniert außerdem einfach nicht. Wachsender Frust führt zu unbewusstem Ärger, der sich dann über der ahnungslosen Frau in Form von Streit entlädt, der damit gar nichts mehr zu tun hat. Dieses Leid erscheint kaum fair gegenüber der Frau, der keine Chance gegeben wurde, zu verstehen oder zu akzeptieren. So kann der Crossdresser genau die Scheidung herbeiführen, die er befürchtet. Es stimmt, dass es gelegentlich zur Scheidung führt, eine Ehefrau zu informieren. Wenn es aber so ist, war die Ehe üblicherweise ohnehin in dürftiger Verfassung. Ralph Waldo Emersons Idee eines Freundes war »jemand, bei dem ich ernst sein kann«. Die Frau des Crossdressers muss sein Freund sein. Bevor er seine weibliche Seite mit seiner Frau teilt, sollte der Crossdresser eine angemessene Einsicht in seine eigene weibliche Seite haben. Solche Einsicht kann erlangt werden, indem man die Arbeit solcher Wissenschaftler wie die von Dr. Vern Bullough, Richard Docter, Roger Peo, Virginia Prince und Peggy Rudd studiert. Veröffentlichungen wie der »Femme Mirror« und die »Sweetheart Connection« sind exzellente Informationsquellen. (Anm. d. Ü.: Gibt’s natürlich wieder mal alles nicht in deutscher Sprache. Wenn sich also jemand um Übersetzungen verdient machen möchte…)

Der Crossdresser sollte sich Mühe geben, bestimmte Ansätze zu vermeiden, die zu viel Leid geführt haben. Die Reaktion einer Ehefrau wird in hohem Maße davon bestimmt, wie sie über das Crossdressing ihres Ehemanns informiert wird. Die meisten Frauen erkennen Ehrlichkeit an; in der Tat haben Sie ein Recht darauf. Einige Crossdresser empfinden es als weniger bedrohlich, ihr gegengeschlechtliches Verhalten als einfaches »Hobby« zu untertreiben. Vielleicht mag es in einem kurzen Zeitraum so erscheinen, aber Ehefrauen fühlen sich später hintergangen, wenn weibliche Wesenszüge hervorkommen, die über die Idee des »Hobbys« hinausgehen. Andere Crossdresser erlauben einfach ihren Frauen, ihre weibliche Kleidung zu entdecken. Die natürliche Reaktion der Ehefrau auf diese unerwartete Entdeckung ist, sich von der »Untreue« ihres Ehemanns betrogen zu fühlen. Wenn die Frau herausfindet, dass die »andere Frau« in Wirklichkeit er ist, fühlt sie sich zum Narr gehalten. Und nun rate, wer das Ziel ihres resultierendes Ärgers sein wird!

Als Crossdresser sollten wir eine zentrale Tatsache betonen: Wir sind mehr als unsere Kleidung! Viel wichtiger als die Kleidung ist die Tatsache, das wir Männer sind, die glücklich genug waren, eine weichere, weibliche Seite unserer Persönlichkeit zu entdecken. Dann ist Crossdressing einfach ein Mittel, sich selbst auszudrücken. Tief unten mögen die meisten Frauen die »Macho«-Standards nicht, unter denen die Männer in unserer Gesellschaft aufgezogen werden. Frauen neigen dazu, sensibel und einfühlsam zu sein, und schätzen diese Charakterzüge bei Männern. Sie schätzen die Idee, ihre Stimmung und ihr Selbstbild durch ihre Kleidung auszudrücken. Zu verschiedenen Zeiten können sie sich »hübsch« oder »sportlich« oder »sexy« oder »naturverbunden« oder »elegant« fühlen und sich dementsprechend kleiden. Bestimmt ist es nachvollziehbar für sie, das Messen mit zweierlei Maß abzulehnen, der den Männern diese Freiheit des Ausdrucks verbietet.

Der Crossdresser solle die »innere Frau« als einen positiven Zug präsentieren. Denn sie ist es! Gefühle der Schuld, den Crossdressern von einer ignoranten, feindlichen Gesellschaft verpasst, haben wenig Raum im lebendigen Prozess der Kommunikation zwischen dem Crossdresser und seiner Frau. Wie kann der Crossdresser seine Frau vielleicht fragen, »sie« zu ermutigen, wenn er selbst Schwierigkeiten damit hat, »sie« anzuerkennen? Bevor er seine weibliche Seite seiner Frau offenbart, sollte er die Unterschiede zur Kenntnis nehmen, die »sie« in seinem Leben gemacht hat. Hat »sie« ihn achtsamer für sein Erscheinungsbild gemacht, freier im Ausdruck der Gefühle, sensibler und einfühlsamer, verständnisvoller für die Gefühle und Bedürfnisse seiner Frau und bewusster für Farben und Schönheit? Hat er neue Interessen und Fähigkeiten entwickelt? Ist er näher zu Gott gekommen? Sobald der Crossdresser diese Züge mit seiner Frau teilt, wird sie erkennen, dass ihr Ehemann noch immer dieselbe liebenswerte Person ist, in die sie sich verliebt und die sie geheiratet hat. Er ist nur gewachsen.

Kommunikation mit unseren Frauen sollte eine Übung in Einfühlung sein. Immer sollten wir bestrebt sein, uns in die Rolle unserer Frauen zu versetzen. Mit Ängsten wegen Homosexualität oder Transsexualität sollte man sich mit Ehrlichkeit befassen – so bald wie möglich. Bedenken wegen Kindern, Beruf und Lebenszielen sollten gemeinsam untersucht werden. Unsere Frauen sind unsere Partner. Unabhängig von unseren Sehnsüchten werden unsere Ehefrauen und Familien die gesellschaftliche Härte ertragen müssen, die kommen können, wenn man einen Crossdresser zum Mann und Vater hat. Viele Ehefrauen werden außerdem von inneren Konflikten beunruhigt sein, die jeder für sich genau so wichtig wie unsere sind. Die meisten von ihnen wurden nicht gefragt, ob sie in diesem Malstrom geworfen werden wollten. Es ist unsere heilige Pflicht, mit unseren Ehefrauen zu sprechen, mit ihnen Entscheidungen zu treffen und sie zu verstehen.

Unsere weibliche Seite mit unseren Frauen zu teilen endet nicht mit bloßen Worten. Wenn wir unsere Weiblichkeit leben, hält das Teilen an. Eher als zu versuchen, unsere Frauen in den Schatten zu stellen, sollten wir mit ihnen in die weibliche Erfahrung wachsen. Natürlich gibt es Dinge wie Menstruationsschmerzen, Geburt und das Stillen, die wir nur indirekt teilen können. Am besten können wir mit diesen biologischen Funktionen umgehen, indem wir mit Liebe reagieren. Solange wir nicht die ganze Zeit als Frau leben, werden wir nie Dinge wie Diskrimierung auf dem Arbeitsmarkt kennenlernen. Aber wir können unseren Schwestern im Kampf beistehen, wo auch immer er besteht. Ein Crossdresser zu sein bedingt ein gewisses Opfer. Wir müssen vermeiden, in das Messen mit doppeltem Maß zurückzufallen. Nichts scheint Frauen mehr abzustoßen als ein »Mann im Kleid«. Viel wichtiger als weibliche Verhaltensweisen zu perfektionieren ist, eine lebendige Wertschätzung für die Schönheit in Natur, Kunst, Musik und Literatur, und, ja, für dieses sehr weibliche Geschick beim Kochen, Nähen, bei der Inneneinrichtung, dem Saubermachen und den Lebensmitteleinkäufen zu entwickeln. Unsere Frauen werden sehr viel ermutigender sein, wenn sie spüren, dass wir – so weit wie möglich – bereit sind, die ganze weibliche Packung zu kaufen.

Schließlich sollten wir uns daran erinnern, dass unsere Frauen uns als Männer brauchen. Jeder hat den müden Refrain ablehnender Ehefrauen gehört: »Ich hab einen Mann geheiratet!« So war es oft üblich, die Männer in die männliche Zwangsjacke enzusperren. Und noch immer hat es einen Rest an Gültigkeit. Wir, die wir unserer Männlichkeit sicherer sind als der Durchschnitt, sollten unseren Frauen die männliche Stärke geben, die sie von uns brauchen. Das schließt ein, sie soweit sie können an der männlichen Seite unseres Lebens teilhaben zu lassen. Das bedeutet für uns, rücksichtsvolle Ehemänner und hingebungsvolle Väter zu sein. Wenn wir unsere Rolle als Ehemänner gut erfüllen, werden unsere Frauen angenehmer mit uns als Schwester wachsen.

Diesen Text habe ich mit freundlicher Genehmigung von Laura aus deren Genderwunderland übernommen

Im GenderWunderLand veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der Autorin. Das Urheberrecht für die Übersetzung liegt bei Laura.
Das amerikanische Original dieses Artikels findest du unter How to Tell Your Wife: A Manual for Love Die Website RainbowTrial widmet sich dem Thema Crossdressing und Angehörige.